
Weil er 22 Monate lang in einer Einzelzelle "vergessen" wurde, erhält ein US-Häftling wegen unmenschlicher Behandlung und Verletzung seiner Bürgerrechte nun 22 Millionen Dollar Schadenersatz. Der heute 57-jährige Stephen Slevin wurde im August 2005 (im Bild links) betrunken hinter dem Steuer eines gestohlenen Autos erwischt und verhaftet - im Juni 2007 kam er als gebrochener, psychisch kranker Mann (im Bild rechts) wieder frei. Sein Kampf um Entschädigung war nun vorerst erfolgreich - das Urteil wird jedoch angefochten.
"Jeden Tag kamen Menschen an meiner Zelle vorbei und haben mitbekommen, wie ich von Tag zu Tag mehr verfiel. Aber niemand hat auch nur einen Finger gerührt, um mir zu helfen", erklärte Slevin nach dem Richterspruch am Dienstag.
Auf Hilferufe nicht reagiert
Während seiner Haftzeit habe der Mann die Gefängnisleitung immer wieder darauf hingewiesen, dass er psychologische Behandlung brauche, berichtete Slevins Anwalt Matthew Coyte. Im Mai 2007 wurde der Häftling dann doch in Behandlung übergeben, hatte zu diesem Zeitpunkt aber bereits ein Drittel seines Gewichts verloren, wundgelegene Stellen am Körper und litt an einer Pilzerkrankung der Haut. Nach zwei Wochen wurde er dennoch wieder ins Gefängnis zurückgeschickt. Sein Martyrium endete erst im Juni, als ein Richter alle Anklagepunkte gegen Slevin fallen ließ und ihn freisprach.
Nach einem sechstägigen Gerichtsverfahren wurden dem 57-Jährigen nun von einer Jury 18,5 Millionen Dollar Entschädigung für seine erlittenen Qualen zugesprochen. Der Direktor des Gefängnisses muss Slevin zusätzlich drei Millionen Dollar zahlen.
